Samstag, 6. Mai 2017

Rückblick auf 2014: Lore wandert 2 Tage auf dem E 4 am Olymp in Griechenland

Der Olymp ist der höchste Berg Griechenlands. 
Mit einer Höhe von 2.918 m beherrscht er Nordgriechenland.
 Insgesamt hat er 52 Gipfel. 
Der Berg kann das ganze Jahr über bestiegen werden, 
im Winter ist Vorsicht geboten. 
Es gibt 7 Hütten, die meisten sind nur im Frühling 
und Sommer offen.

Der Aufstieg zum Gipfel beginnt in Litochoron auf dem E4
 oder von Prionia (Ende der Straße) und ist bequem in 2 Tagen
 zu bewältigen - es lohnt sich jedoch, länger zu bleiben.

Es ist Mai 2017.
Ich komme gerade aus Griechenland zurück, 
habe wieder eine Exkursionswoche mit Schwerpunkt
 Schildkröten mitgemacht. 
Gerne habe ich mich beim Anblick des Olympmassivs
an meine Tour 2014 erinnert, als ich alleine auf dem
 Europäischen Fernwanderweg E 4 zur ersten Olymphütte
 aufgestiegen bin, dort übernachtet habe, 
und wieder abgestiegen bin. 

Bis Prionia, 900 m hoch, haben mich nette Hotelgäste
 gefahren. Vom Ende der Straße aus gehe ich über eine
 Holzbrücke und sehe gleich den kleinen Wasserfall, 
den jeder kennt, der schon hier war.

2 Tage vor der Tour bin ich in Griechenland mit einer 
dicken Erkältung angekommen. 
Der stetige Anstieg in dieser  Höhenluft macht mir das 
Atmen schwer und ich komme nur 
sehr langsam voran. 
Und ich habe viel Zeit, um immer wieder
 die Stöcke zur Seite zu legen, zu verschnaufen
und zu fotografieren.

Ein Bett in der Hütte ist für mich reserviert.

Viele Leute überholen mich. 
Mit manchen komme ich kurz ins Gespräch 
- in verschiedenen Sprachen.

Der Weg ist ein Hochgebirgspfad und teilweise mehr als steil,
 was man auf Fotos nicht wirklich sehen kann.

So geht es immer weiter. Die Hütte liegt auf 1.900 m Höhe.





Immer wieder überholen mich auch Jogger. 
Ich nenn sie mal so. Sie laufen den Berg rauf. Unglaublich.
 Der eine oder andere kommt mir auch wieder entgegen. 
Ich fass es nicht.

Völlig überraschend habe ich Blick auf die felsigen Berge.

Der Himmel hat sich zugezogen, es ist frisch geworden.



Die Hütte hat erst seit einigen Tagen geöffnet, 
da sie vorher wegen Schnee nicht zu erreichen war.

Die Zeit, die angegeben ist für den Aufstieg, 
hab ich für mich schonmal mindestens verdoppelt. 
Es geht langsam voran, aber ich genieße es total.
Ich mache mir immer bewusst, dass ich nicht irgendwo,
 sondern am Olymp unterwegs bin.



Nebliges Licht, Bäume voller Flechten.....














Da kommen sie! 
Die Hütte wird durch diese Mulis versorgt. 
Alles, was die Hütte braucht, muss auf diesem Weg
 herangeschafft werden. Und was nicht mehr gebraucht wird,
 wird so wieder zu Tal befördert. 
Und die Tiere können nur "arbeiten", wenn kein Schnee liegt.

Das sind die ersten Tiere. 
Es kommen noch einige nach, 
die immer wieder zwischendurch am Wegrand etwas fressen.
 Sie kennen ja den Weg. Es gibt auch nur den einen. 
Ich bin etwas seitlich am Weg den Hang hoch gegangen, 
denn man sollte Respekt vor den Tieren haben. 
Nachdem das letzte Tier vorbei ist, so gerade, 
gehe ich wieder auf den Weg .... und das Tier bleibt stehen 
und tritt nach hinten aus. 
Nach mir! Unfassbar! Es hat mich aber nicht getroffen.
 Respekt und Abstand sind also wirklich nötig.

Die Wolken sind über die Berge gekommen 
und längst schon tiefer als ich.

Eine Gruppe junger Leute kommt mir entgegen 
und zeigt mir oben im Dunst die Hütte mit den Worten, 
es sei nicht mehr weit, nur noch 20 Minuten. 
20 Minuten? 
Ich brauchte noch eine ganze Stunde.

Ich sehe später eine andere Gruppe, 
die gerade ein Schneefeld vorsichtig überquert. 
Ach, es sieht doch gar nicht rutschig oder schräg aus.

Mit weit ausgefahrenem Zoom habe ich jetzt Sicht auf einen
 Ort, vielleicht Litochoro, aber auf jeden Fall auf das Meer.

Tja, bei dem Schneefeld darf man wirklich 
nicht ins Rutschen geraten, oh oh oh!

Und noch ein paar Meter Schneefeld. 
Auch diese Wanderin geht sehr vorsichtig.

Kurz vor der Hütte ist ein Hubschrauberlandeplatz.
 Angeblich, und ich glaube das auch, 
ist er nur für die Bergrettung.

Die letzten Treppen und die Hütte von Maria, 
einer Deutschen, ist erreicht.
Maria stellte mir frei, ein Bett im Haupthaus in 
einem 16-Bett-Zimmer zu beziehen oder ein Bett 
im Nebengebäude mit 8 Betten zu nehmen. 
Das Nebengebäude war in den wenigen Tagen 
der neuen Saison noch nicht benutzt worden.
 Ich entschied mich für das 8-Bett-Zimmer. 
Da noch niemand ein Bett beschlagnahmt hatte, 
wählte ich für mich das in der Ecke, das untere, 
in der Hoffnung, dass das obere unbenutzt
 bleiben würde. Im Raum war es ca. 0 Grad 
warm. Die Matratze und das Kopfkissen waren 
ganz feucht. Ich nahm mir reichlich Decken 
aus dem offenen Schrank, 3 Stück. 
Sie waren schwer wie sonstwas, 
denn sie waren im Prinzip nass. 
Die Feuchtigkeit des Winters war hier in alles
 gekrochen, was Feuchtigkeit aufnimmt. 
Ein Entfeuchter war in Betrieb 
mit sehr lautem Geräusch.
 Toll! 

Ich war nicht nur stark erkältet, 
sondern gerade auch sehr begeistert. 
Eigentlich sollte man hier Bettlaken und 
Bettbezug mitbringen, ich hatte mich aber für 
Schlafsack entschieden und mir das per Email 
genehmigen lassen. 
Jaaaa, aber man sah es nicht gern. 
Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich war, 
dass ich die nassen Decken wieder in den 
Schrank legen konnte! 
Ich richtete mein Lager auch noch nicht ein, 
damit mein Schlafsack nicht auch noch Nässe 
aufsaugen konnte. 
Im Laufe des späteren Nachmittags knüpfte ich 
nette Kontakte mit einer Familie, 
mit der ich zunächst draußen saß. 
Um 19 Uhr jagte uns ein Gewitter nach drinnen. 
Zum Abendessen und danach saßen wir in dem 
total überfüllten und überhitzten Speisesaal, 
in dem sich auch eine kanadische Schulklasse 
aufhielt, deren Schüler kurze Vorträge hielten. 
Wir wurden gebeten, während der Vorträge
 nicht zu sprechen. Die Vorträge wurden gefilmt.
 Es kamen mehr und mehr Wanderer. 
Viele von ihnen hatten kein Bett reserviert. 
So wurden schließlich für die Nacht in den 
Speisesälen Matratzen ausgelegt. 
Und klar, als ich zu meinem Bett ging,
sah ich, dass alle Betten belegt waren. 
Ein Mann schnarchte schon kräftig.
Ich zog alles an, was ich mit hatte und 
stieg dann in den Schlafsack. 
Verärgert stellte ich fest, dass ich statt meiner
 Ohrstöpsel 2 Nivea-Creme eingepackt hatte. 
Na, Mahlzeit!

Ich hüllte mich in den Schlafsack, 
fand aber wegen meiner Erkältung keine 
wirkliche Ruhe. Aber mir war warm! 
Am nächsten Morgen sollte man bis 8 Uhr 
das Bett wieder  geräumt haben. 
Nun, die meisten Übernachter brechen
 morgens früh zu einem oder mehreren 
Gipfeln des Olymps auf. 
Kaum einer geht, so wie ich, wieder runter. 
Das ungeheizte Badezimmer und die ungeheizte 
Toilette waren ein ganzes Stück weg. 
Ich hab am Morgen so getan, als würde ich tief
 und fest schlafen. Hab gewartet, bis sich nichts 
mehr im Zimmer rührte und dann 
die Augen geöffnet. Alle waren weg. 
Es war schon nach 8 Uhr. 
Dann bin ich aufgestanden, 
habe mich so angezogen, 
dass ich mich sehen lassen konnte
 und bin zur Toilette gegangen, mehr nicht. 
Als ich zurück kam, 
war schon ein Saubermacher am Werk. 

Ich war dann ganz schnell weg.

Draußen stellte ich fest, 
dass ich einen ganz groooooooooßen Schatten hatte.

Auf dieser Bank und an diesem Tisch werde ich frühstücken.
 Bergwasser spendet der Brunnen nebenan, 
Schwarzbrot habe ich noch als Proviant und Müsliriegel, 
ein gekochtes Ei und einen Apfel.
Ich nehme mir viel Zeit, es ist niemand da außer mir.

Wenn ich jetzt, nach 3 Jahren, diese Fotos sehe, 
erinnere ich mich gerne an diese Blicke, 
Blicke zum blöde werden, 
wie Paul immer gesagt hat. 
Und weil ich die Fotos so schön finde, zeige ich sie alle.



herangezoomt

"mein" Nebenhaus...

... und der Zugang zum Nebenhaus. 
Rechts im Gebäude die ungeheizten Sanitäranlagen.

Haupthaus mit Terrasse







Ich hatte zwar mächtig Pudding in den Beinen, 
als ich wieder in Prionia am Wasserfall ankam, 
aber auch der Abstieg war ein Erlebnis. 
Es war Sonntag und es kam mir kaum jemand entgegen. 
Aber, wie am Vortag, waren diese Bergläufer unterwegs. 
Sie liefen mit der gleichen Geschwindigkeit und absoluter
 Trittsicherheit bergauf wie bergab. Unglaublich.

ein Tausenfüßer mit Kind

So, jetzt war ich in Prionia, am Ende der Straße, 
an einem großen Parkplatz. Ich nahm ein DIN A 4 Schild 
aus meinem Rucksack, auf dem stand "Litochoro" 
in unserer Schrift und in griechischer Schrift. 
Ja, ich wollte per Anhalter fahren. 
Ich war mir sicher, dass, wer hier oben parkt, 
nichts Böses mit mir im Sinn haben kann. 
Die ersten Autos fuhren vorbei. Dann kam ein Taxi. 
Ich war spontan entschlossen, das Taxi zu nehmen. 
Es hielt an. 
Es war zwar ein Taxi-Auto, aber nicht im Dienst. 
Der Herr Taxifahrer war ein Berg-Marathon-Läufer, 
der gerade mal eben die 1000 Meter zur Olymphütte 
hinauf und wieder hinunter gelaufen war, als Training, 
da er nämlich auch an der Olympiade in dieser 
Disziplin teilnimmt. So jedenfalls habe ich 
ihn auf Griechisch-Englisch-Deutsch verstanden. 
Er fährt Taxi in Thessaloniki, aber von mir wollte er 
kein Geld für die Fahrt nach unten. Er erzählte von 
seiner Familie und den Kindern und so hatte ich 
einen Grund, ihm zum Dank beim Aussteigen 
ein Geld für seine Kinder zu geben. So, das hatte ja 
schonmal vorzüglich geklappt. Doch zum Hotel ist es 
nochmal ein Stück. Sonntags fahren die Busse 
auch nicht so häufig. Kaum gedacht, 
seh ich einen Bus, der schnurstracks Richtung 
Ortsausgang fährt. O.k., dann wird der nächste 
erst irgendwann kommen. Ich rief Peter an, 
dann holte ich mir ein Eis 
und setzte mich auf eine Bank. 
Vor mir ein Beet:

Was man leider auf dem Foto nicht sehen kann, 
ist, dass in dem Schatten unter dem Strauch 
in der Mitte eine Schildkröte sitzt.

Näher ran, kann man sie deutlich sehen: 
eine echte Schildkröte

Ein paar kleine Panzerverletzungen hat sie.

Ich schau mich um, ob keiner guckt und leg sie für 
ein Foto mal eben auf den Rücken. 
Aha: Weibchen und auch eine Verletzung 
an der Bauchnaht. 
Damit wird sie aber klar kommen.
Ich frage mich nur, ob sie immer in diesem 
Hochbeet lebt und ob es dort genügend Futter 
gibt oder ob jemand sie mit Wildkräutern versorgt.

Ich schaue mir noch den Vorraum der Kirche an.





Dann gehe ich zu einem Aussichtspunkt und schaue 
auf den Taleinschnitt, aus dem ich eben mit dem 
Taxi gefahren wurde. In diesem Tal liegt auch die
 Wasserleitung, die ungechlortes, leckeres Trinkwasser 
vom Olympmassiv zur Menschheit leitet, 
auch in die vielen öffentlichen Trinkwasserspender.
Als ich dann wieder ins Zentrum des Ortes gehe, 
sehe ich einige Taxis. Ihre Fahrer haben sich 
auf die Treppe gesetzt und gönnen sich gerade 
einen Becher Kaffee. Einer von ihnen durfte sich 
dann freuen, denn ich habe mich von ihm zum 
Hotel fahren lassen. Dort habe ich mich erstmal 
gepflegt, dann geruht und später mit 2 anderen 
Hotelgästen und Bier im Sand am Strand gesessen.

Nachtrag vom 19.6.2017
Peter hat eine Reportage entdeckt von Geo, 
ein Film vom Olymp mit Kosta, dem Vater von Maria, 
die seit Jahren die Hütte bewirtschaftet, 
auf der ich übernachtet habe.
GEO-Reportage -der Olymp in Griechenland- 
Die Reportage ist bis zum 10.9.2017 zu sehen.

Weitere Infos rund um die Wanderung zum Olymp 
von Litochoro aus findet Ihr hier. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen