Sonntag, 9. Juni 2019

Deponie Haaneberg Spich (oder Rundweg A 2)



Wandern zu einer Deponie? Wer will denn das?

Peter und ich sind vor Jahren einmal dort gewesen, mehr oder weniger zufällig. Keiner von uns wusste gestern genau, wo diese Deponie ist, zu der ich wollte. Ja, warum wollte ich denn überhaupt zu dieser Deponie?

Letzten Sonntag haben Peter und ich nach längerer Zeit wieder einmal eine Tour mit Werner Funken in der Wahner Heide gemacht. Etwa oberhalb vom Herfeld machte er uns auf einige kleine Tümpel (Durchmesser ca. 2 m) aufmerksam. Man hatte sie bewusst angelegt, um dort u.a. Gelbbauchunken wieder einzubürgern. Bisher war es allerdings nicht geglückt. Einer der Teilnehmer der Wanderung berichtete von einem oder mehreren Tümpeln unterhalb der Deponie in Spich. In diesen Tümpeln leben -so wusste er- ganz viele Gelbbauchunken.

Zu Hause suchte ich im Internet nach der Deponie, fand sie aber schließlich in der großen Faltkarte der Wahner Heide.


Rote bzw. Rot-Gelbe Linie, links Start am Waldstadion, 
dann Richtung Eidechse


Einer der Rundwege, nämlich der Telegraphen-Weg, gekennzeichnet durch eine Eidechse, führt auf einer kurzen Strecke (insgesamt 11 km lang) an der Deponie vorbei. Wir vermuten, dass wir damals diesen Weg gegangen sind und daher etwas von der Deponie wussten. Auf der Karte sah ich, dass sich einer der möglichen Parkplätze am Waldstadion befindet, dort, wo 2018 eine die Wanderung der Volksbank startete.

Da Peter keine Lust hatte, mit mir zur Deponie zu gehen, ging ich alleine.

Ich war angenehm überrascht, wie schön wild der Wald zu Beginn meiner Wanderung im Kriegsdorfer Wald war.





 Auf der Wanderkarte steht das Wort "Wasserbehälter" 
in diesem Wald. 
Ich sehe keinen Wasserbehälter, aber mehrere solcher Rohre (?).

 Ich überquere den Asselbach. Er ist trocken gefallen.
 

Als ich in die Nähe der Spicher Häuser kam, war ich nicht mehr allein. Heute, schönstes Wetter, Pfingstsonntag, waren Jogger, Walker, Radfahrer, Hundgassi-Geher und ganze Familien auf diesem breiten Weg unterwegs.

 Blick Richtung menschlicher Siedlungen in Spich.

Ein älteres Pärchen mit freundlichem und spielfreudigem Hund aus Ungarn begegnete mir. Wie es oft so ist, kommt man über den Hund ins Gespräch. Das ging auch diesmal ganz schnell. Ich erfuhr, wo er für wieviel Geld kastriert wurde, warum die Tierarztpraxis in unserem Ort so teuer ist, wie alt ihr voriger Hund geworden ist und so noch das ein oder andere. 

 Bald bog ich im Eschmarer Wald in einen weniger begangenen Weg ein.

 Hier fand ich Reste von Industriekultur vor und konnte mich auf einer Tafel näher informieren.




 Nachdem ich die Rottweiler Schießstände rechts liegen gelassen hatte, 
ging es aufwärts Richtung Deponie.


Ich vernahm lautes Froschgequake. 
Bin ich hier in der Nähe des Gelbbauchunken-Tümpels?
Leider nein, wie ich bald feststellte.
Diesen Tümpel konnte ich nur durch den Zaun, 
der die Deponie umgibt, fotografieren.

Von der Deponie konnte ich nichts sehen. Ich folgte dem Weg, der mich weiter bergauf führte, immer am Zaun entlang. Nun hörte ich wieder Froschgequake, allerdings weiter weg und unterhalb von meinem Weg. Ich hatte keine Lust zurückzugehen und den unteren Weg einzuschlagen. Ein Grund, noch einmal hierher zu kommen. 

Bald erreichte ich den Parkplatz "Spicher Broich". Von dort aus verläuft der Weg in einigem Abstand etwa parallel zum Mauspfad. (Lustige Namen, oder?) Es geht immer noch am Deponie-Zaun entlang.


Hier kann ich einen Blick auf die Deponie werfen. 
Viel kann ich nicht erkennen.

 Angeblich lagert hier jede Menge Giftmüll aus alten Zeiten sowie neuzeitlicher Sondermüll. 

Wie es in etwa aussieht, 
mag diese Aufnahme von Google-Maps zeigen.

Zwischen meinem Deponie-Zaun-Weg und dem Mauspfad fällt mir eine rot-weiße Leitplanke auf. Sie ist auf der gesamten Strecke fast zugewachsen. 

Als ich das Foto mache, spricht mich eine ältere Dame mit Walking-Stöcken an, was ich da wohl entdeckt hätte. Eine ganze Weile habe ich mich mit ihr unterhalten. Ich habe sie auch nach Tümpeln mit Gelbbauchunken gefragt. Sie kannte zwar alle Teiche und Tümpel, aber von diesen Tieren wusste sie nichts. Ich erfuhr, dass sie ein neues Kniegelenk hat und das zweite auch bald fällig wird, dass sie jahrelang den Spicher-Walking-Treff angeführt hat, dass sie eine gute Muskulatur hat, dass hinter der Leitplanke oft Wildschweine liegen, dass sie vor ihnen Angst habe und dass die Tiere zum einen vom Deponiezaun, zum anderen von dem Wildzaun am Mauspfad daran gehindert werden, zu flüchten, wenn es nötig wird. Sie müssen dann über diesen Weg, auf dem wir stehen, laufen. Sie hätten auch bereits einen nahe gelegenen Park und Vorgärten verwüstet, wie das eben andernorts auch vorkommt. 

Ich liebe solche Plaudereien. Sie lockern das Wandern auf.

Über den Düffelsbachweg bin ich zurück gegangen. Ohne Plaudereien ist die Strecke in einer Stunde zu gehen. Von daher keine Wanderung. Ist aber der Rundwanderweg A 2 des Sauerländischen Gebirgsvereins. Also doch Wanderung!


Nun bin ich mal gespannt, wann ich nochmal dort hin gehe, wo ich das Quaken gehört habe. Vielleicht kann man gar nicht hin gehen.